Slow West

Slow West

www.slow-west.de

Mo, 14. — Sa, 19.11.2016 | 17:30 Uhr bzw. Sa 15:00 Uhr | City-Kino

UK, Neuseeland: 2015; Regie und Drehbuch: John Maclean, Kamera: Robby Ryan, Musik: Jed Kurzel, Schnitt: Roland Gallois, John Gregory, Darsteller: Kodi-Smit-McPhee, Michael Fassbender, Ben Mendelsohn, Caren Pistorius, Rory McCann, 93 Min.OmdUT

Trailer:


Inhalt:


© Thimfilm

Ein 16-jähriger Schotte folgt seiner Jugendliebe ins unzivilisierte Colorado des Jahres 1870 und heuert einen Revolvermann zu seinem Schutz an. Die Suche nach dem Mädchen und dessen Vater erweist sich zusehends als gefährlicher, da den beiden Kopfgeldjäger auf den Fersen sind. Wortkarger Spätwestern, der durch seine lakonische Bildsprache beeindruckt. In knappen Szenen konfrontiert das Regiedebüt jugendliche Ideale mit Geldgier und roher Gewalttätigkeit, ist dabei freilich mehr an einer Entromantisierung des Genres als am Spannungsaufbau interessiert.


Der Regisseur:


© Thimfilm

John Maclean ist ein schottischer Regisseur, Drehbuchautor und Musiker. Sein Bachelors Degree (BA) machte der vielseitig interessierte Künstler in den Fächern Zeichnen und Malen am heimatlichen Edinburgh College of Art, den Master (MA) erlangte er am renommierten Londoner Royal College of Art. Während seiner Studien und auch danach nahm er verschiedenste Arbeiten und Jobs an, so überstellte er beispielsweise Autos an ihre neuen Besitzer quer durch die USA. Dass er auf diese Weise Land und Leute kennenlernte, soll ihn dann auch zur intensiven Auseinandersetzung mit dem ur-amerikanischen Film-Genre des Westerns bewogen haben.
Von 1997 bis 2004 war Maclean Mitglied der schottischen Indie-Rockband Beta, zwischen 2005 und 2008 machte er Musik in der Band The Aliens. Für seine eigenen Bands und auch für jene seines Bruders David Maclean, Django Django, gestaltete er Musikclips und Videos, die der Schauspieler Michael Fassbender zu Gesicht bekam. Eine erste Zusammenarbeit der beiden gab es in dem Kurzfilm Man on a Motorcycle im Jahr 2009, eine Freundschaft entwickelte sich, die in der Zusammenarbeit in Slow West einen ersten Höhepunkt fand.


Kritikerstimmen:


© Thimfilm

Maclean überführt eine lange Ahnengalerie von Vorbildern – John Ford! Robert Altman! – in seine ganz eigene Western-Welt. Am stärksten beeinflusste ihn der große Sam Peckinpah (The Wild Bunch), wie das grandiose Finale zeigt. Für diese wilde Schießerei zieht Maclean das Tempo plötzlich an. Aber – ähnlich wie bei Peckinpah – ist der Pulverdampf kein Selbstzweck, keine Pose. Der Schotte setzt den klassischen Shootout nicht als spannungssteigerndes, sondern erzählerisches Mittel ein. Hier finden ganz elegant die verschiedenen Erzählstränge zusammen, und Maclean begnügt sich nicht damit, Einschusslöcher und spritzendes Blut zu zeigen. Die schlimmste Verletzung ist am Ende eine innere.
(Die Zeit online, Oliver Kaever, 27. Juli 2015)

Macleans kleiner, brillant besetzter Film zeigt mit melancholischer Geste, wie der Westen höchstwahrscheinlich wirklich war: Viele europäische Einwanderer kamen, um ihr Glück zu finden; die meisten litten unter bitterer Armut und wurden wunderlich, verrückt, kriminell. Oder sie starben einfach, durch Pech und Kugeln, die damals wie heute sehr locker in den Pistolen saßen. Wer überlebte, musste Ruchlosigkeit lernen, wie Rose, die süße Angebetete, die sich als kaltblütige Schützin erweist.
(Spiegel online, Andreas Borcholte, 30. Juli 2015)

Gleichzeitig weiß Maclean genau, was er erzählen will und treibt seine Handlung auf ein grandios inszeniertes Finale zu: Schauplatz ist die mitten in einem unwirklich sattgelben, sehr weitem Kornfeld stehende Hütte, in der Rose und ihr Vater Zuflucht gefunden haben. Wie sich Jay und Silas sowie Payne und seine Bande und ein als Priester verkleideter Scharfschütze auf unterschiedlichste, haarsträubendste und letztlich blutigste Weise der Bretterbude zu nähern versuchen, ist ein meisterliches Set-Piece, feine Hommagen an Leone- und Eastwood-Western inklusive, so viel Reverenz darf sein.
(Spiegel online, Borcholte) 

Ein Western also, dessen Außenaufnahmen gewiss nicht zufällig an John Ford erinnern. Mehr als das hat Regisseur John Maclean in seinem Debütfilm mit den großen Klassikern des Genres nicht gemein. Eher schon ist »Slow West« eine wortkarge Dekonstruktion und Entromantisierung der Gattung, mal an den Coen-Brüdern und an Quentin Tarantino, mal an den Filmen von Budd Boetticher und Monte Hellman orientiert. Maclean beruft sich auch auf Bresson, und man merkt es. Der Film fasziniert durch seine lakonische Bildersprache und die (oft witzige) Knappheit der Dialoge. Maclean war früher ein Mitglied der eklektischen schottischen Folk-Gruppe The Beta Band, für die er mehrere Musikvideos gemacht hat. Außer ein paar Kurzfilmen hat er sonst keine praktische Filmerfahrung vorzuweisen. Es gehört deshalb schon eine gehörige Portion Chuzpe dazu, sich gleich auf einen Film einzulassen, der ein ganzes Genre auf ein paar Formeln zu reduzieren versucht. Einen philosophischen Unterbau darf man von »Slow West« dabei nur mit Maßen erwarten. Es gibt auch weder das Adrenalin anstachelnde Actionszenen noch ein Happy End. Was übrig bleibt von der jugendlichen Träumerei und Abenteuerlust ist die Konfrontation der Ideale mit einem seelischen Ödland, in dem Geld und Gewalttätigkeit die einzigen Orientierungsmarken sind.
(Filmdienst, Franz Everschor)

 


Filmografie:


© Thimfilm

div. Musikvideos
Kurzfilme: MAN ON A MOTORCYCLE (2009),  PITCH BLACK HEIST (2011)
Spielfilm: SLOW WEST (2015)


Auszeichnung:


© Thimfilm

Sundance Film Festival 2015 (World Cinema Jury Prize: Dramatic)

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