Zoran – Mein Neffe der Idiot

Zoran – Mein Neffe der Idiot

Mo, 08. — Sa, 13.02.2016 | 17:30 Uhr bzw. Sa 15:00 Uhr | City-Kino

ZORAN, IL MIO NIPOTE SCEMO
IT/SLO 2013; Regie: Matteo Oleotto, Drehbuch: Daniela Gambaro, Marco Pettenello, Pierpaolo Piciarelli, Matteo Oleotto, K: Ferran Paredes, S: Giuseppe Trepiccione, M: Antonio Gramentieri, Sacri Cuori, Darsteller: Giuseppe Battiston, Rok Prasnikar, Roberto Citran, Marjuta Slamic, 113 Minuten, OmdUT

Trailer:


Inhalt:


Paolo Bressan verbringt seine Tage bei Gustino, dem Besitzer eines kleinen Gasthauses in einem kleinen Ort in der Provinz Gorizia an der italienisch-slowenischen Grenze. Paolo ist um die 40, ein Zyniker, Menschenfeind, Lügner, der mit großer Unlust in der Mensa eines Altersheimes arbeitet und verzweifelt, aber ohne Erfolg, versucht, seine Ex-Frau Stefania zurückzuerobern, die aber nun mit seinem Chef Alfio liiert ist.
Paolos Leben scheint sich aber schlagartig zu ändern, als er mit einem 15-jährigen Neffen namens Zoran konfrontiert wird, der ohne Verwandte zurückbleibt, als eine Verwandte Paolos aus Slowenien plötzlich stirbt, die dessen letzte Bezugsperson war.
Zoran wirkt etwas zurückgeblieben, spricht seltsam und Paolo möchte ihn so schnell wie möglich loswerden. Bei einem Besuch in seinem Gasthaus entdeckt er allerdings, dass Zoran ein begnadeter Darts-Spieler ist. Da gerade die Weltmeisterschaften in Glasgow bevorstehen, wo 60 000 Euro zu gewinnen sind, nimmt er sich des Jungen an…

Auszeichnung: Venedig Filmfestival 2013 (Publikumspreis)


Der Regisseur:


© Polyfilm

Matteo Oleotto wurde 1977 in Gorizia geboren. 2001 schloss er die Schauspielschule „Nico Pepe“ in Udine im Fach Schauspiel erfolgreich ab. Danach folgte ein Studium der Filmregie am Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom, das er 2005 ebenfalls erfolgreich beendete.
Oleotto inszenierte einige Kurzfilme und arbeitete darüber hinaus als Regisseur von TV-Shows und Werbespots für verschiedene Fernsehsender.
Bevor Oleotto sich ganz der Filmregie widmete, arbeitete er in einem Call Center, als Rettungsschwimmer, Umzugshelfer, Autowäscher, Arbeiter in einer Firma für Micro-Technologie, Nachtportier in einer psychiatrischen Einrichtung, Ober, Kochgehilfe, Gärtner, Basketball-Schiedsrichter, Hotelportier und Schwimm-Trainer.
Derzeit arbeitet er gerade an seinem zweiten Spielfilm. In seiner Freizeit ist er im Wein-Geschäft tätig. Hier kümmert er sich um den Weinberg, den er von seiner Familie geerbt hat.


Der Regisseur über seinen Film:


 

© Polyfilm

„Nach 13 Jahren in Rom beschloss ich, in meine Heimat, in den Friaul im Nordosten Italiens, zurückzukehren und dort meinen ersten Film zu drehen. All die Jahre in Rom haben mir dabei geholfen, zu lernen und mich selbst zum Regisseur auszubilden – außerdem ging in dieser Zeit die Kleinstadt-Dynamik, in die ich hineingeboren wurde und mit der ich aufwuchs, verloren, die mich regelrecht überwältigt hatte. Diese Distanz und die folgende Rückkehr ermöglichte es mir, die Kleinstadt mit einem anderen, klaren Blick zu sehen, was mir sonst nie gelungen wäre.
Früher dachte ich, in einem Dorf würde niemals etwas Interessantes passieren und dass nur die Stadt der Ort für lebhaften Austausch und Interaktion sei. Heute bin ich bereit, diese Ansicht zu revidieren. Ich habe festgestellt, dass die Stadt die persönlichen Kontakte abkühlen und hemmen kann: Menschen neigen hier dazu, sich zu verbergen, werden verblendet und verlieren sich selbst. In einer großen Stadt ist es durchaus üblich, in unterschiedlichen Stadtteilen festzusitzen und sich mit seinen Freunden monate-, ja jahrelang, nicht mehr zu treffen.
In einem Dorf passiert das nicht. Allein die Größe eines kleinen Ortes zwingt jeden, ob er will oder nicht, am Leben der anderen teilzuhaben: Es ist unmöglich, die Aufmerksamkeit der Gemeinde zu meiden, es ist unmöglich, sich zu verstecken, es ist unmöglich, sich aus den Augen zu verlieren.
Da, wo ich herstamme, ist die Taverne das pulsierende Herz der sozialen Interaktion, der Ort, wo Gesichter, Neuigkeiten, Leben, Frustrationen, Leidenschaften sich kreuzen.
Vor Jahren lernte ich einen schüchternen Jungen kennen, der ein großes Talent für den Darts-Sport besaß. Nur wenn er die Dartspfeile in Händen hielt und seine Augen auf sein Ziel gerichtet waren, konnte er es ertragen, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Während des Spiels verwandelte er sich in jemanden, der stark, regelrecht unbekümmert, in Kontakt mit anderen trat, und seine Augen glänzten regelrecht vor Klugheit. Wenn das Spiel aber beendet war, zog er sich sofort in den Schatten seiner üblichen Schüchternheit zurück.
Die Erinnerungen an diesen Jungen ließ ich in meinen Zoran einfließen. Paolo dagegen ist eine Mischung aus all diesen Menschen, die mein Dorf ausmachen. Und als Paolo, verbittert und resigniert, ein Junge, der nie erwachsen geworden ist, diesen authentischen Jungen Zoran trifft, der seinerseits unbedingt erwachsen werden will, stellt sich die Frage: Wird Paolo den Weg einschlagen, der eine Veränderung mit sich bringt, einen anderen Pfad beschreiten, etwas tun also, von dem er immer geträumt, es aber nie getan hat?“


Kritikerstimmen:


© Polyfilm

„Liebvoll-skurrile Komödie um einen Misanthropen, der hinter seiner Selbstsucht sein weiches Herz verbirgt. Der wohldosierte Humor verdankt sich einer genauen Beobachtung des Lebens in der Grenzregion und ihrer vom Leben gebeutelten Figuren, aber auch der kongenialen Filmmusik.“
(Katharina Seckau, Filmdienst)

„Oleottos Film funktioniert vor allem als Porträt eines Mannes, dessen Selbsthass sich in Hass auf die ganze Welt verwandelt hat. Man fragt sich zwar fortwährend, warum einen dieser Mensch interessieren sollte. Aber trotzdem will man wissen, wie es mit ihm weitergeht.“
(Kai Mihm, epd-film)

„Ein Film, der sich nicht der gängigen Schönheitsideale und Erfolgsformeln bedient. Schön ist niemand in dieser Provinzbeschau, und Zoran will auch nicht gewinnen. Aber es ist auch ein Film über Liebe und Zärtlichkeit, unspektakulär, ausgezeichnet gespielt im ländlichen Ambiente mit witziger Ausstattung ohne Rücksicht auf moralische Verluste.“
(Helmut Groschup, Dolomiten)

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