epd Film
Anke Sterneborg betont die unaufgeregte, dokumentarisch zurückhaltende Erzählweise und sieht gerade in der Würde und Beharrlichkeit von Eunice Paiva die widerständige Kraft des Films.
SAISON 2026/27
14.–19. Dezember 2026
Mo–Fr 17:30 Uhr · Sa 15:00 Uhr · City-Kino Linz

Rio 1971: Nach dem Verschwinden ihres Mannes unter der Militärdiktatur kämpft Eunice Paiva jahrzehntelang um Wahrheit und Erinnerung.
BRASILIEN/FRANKREICH 2024
BRASILIEN/FRANKREICH 2024; Originaltitel: Ainda estou aqui; nach dem Roman von Marcelo Rubens Paiva; Regie: Walter Salles; Drehbuch: Murilo Hauser, Heitor Lorega; Kamera: Adrian Teijido; Schnitt: Affonso Gonçalves; Musik: Warren Ellis; Darsteller: Fernanda Torres, Selton Mello, Fernanda Montenegro, Valentina Herszage, Luiza Kosovski, Barbara Luz, Cora Mora; Länge: 131 Minuten; OmdUT (Portugiesisch)
Filmring-Text
Rio de Janeiro im Jahr 1971: Die private Welt der vielköpfigen Familie Paiva scheint in bester Ordnung. Doch im Hintergrund ziehen dunkle Wolken auf: Vater Rubens, erfolgreicher Architekt und Parlamentsabgeordneter, gerät ins Visier der Schergen der neuen Militärregierung. Eines Tages wird er abgeholt und verschwindet in den Tiefen eines berüchtigten Folter-Gefängnisses. Ab jetzt gibt es für seine Ehefrau Eunice nur mehr ein Ziel: ihren Gatten zu finden bzw. sein Schicksal zu klären. Die Suche nach ihm und die Klärung seines Schicksals werden zu ihrer Lebensaufgabe.
Das Drehbuch für den Film basiert auf den autobiografischen Aufzeichnungen von Marcelo Rubens Paiva, einem der Söhne der Familie.
Zum Film
Für immer hier erzählt die Geschichte der Familie Paiva im Brasilien der frühen 1970er-Jahre. Im Zentrum steht Eunice Paiva, deren Mann Rubens 1971 von Kräften der Militärdiktatur verschleppt wird und verschwindet. Der Film verfolgt nicht nur die unmittelbare Erschütterung der Familie, sondern auch Eunices jahrzehntelangen Weg, Wahrheit, Erinnerung und Würde zu bewahren.
Walter Salles nähert sich der politischen Geschichte über das Private: Strand, Musik, Freundschaften, Familienrituale und Home-Movie-Bilder machen zuerst spürbar, was verloren zu gehen droht. Gerade weil das Regime nicht als abstraktes Geschichtskapitel erscheint, sondern in einen lebendigen Familienalltag einbricht, entfaltet der Film seine besondere Kraft.
Quellen: Sony Pictures Classics, Filmdienst
Regie
Walter Salles wurde 1956 in Rio de Janeiro geboren. In Dokumentar- wie Spielfilmen beschäftigt er sich häufig mit Reisen, Identität und gesellschaftlichen Umbrüchen. International bekannt wurde er mit Central Station, später folgten unter anderem Die Reise des jungen Che und On the Road.
Mit Für immer hier kehrte Salles nach längerer Pause wieder zum Spielfilm zurück. Die Geschichte besitzt für ihn eine besondere persönliche Nähe: Er kannte die Familie Paiva aus seiner Jugend. Dadurch entsteht kein distanzierter Historienfilm, sondern eine Erinnerung aus der Perspektive einer Familie und eines Landes.
Geboren
1956 in Rio de Janeiro
Themen
Identität, Reise, Erinnerung
Vorlage
Memoiren von Marcelo Rubens Paiva
Quellen: Festival de Cannes – Walter Salles, Sony Pictures Classics
Bilder




Hintergrund
Brasilien wurde von 1964 bis 1985 von einer Militärdiktatur regiert. Rubens Paiva, früherer Kongressabgeordneter, wurde im Jänner 1971 festgenommen. Die Familie erhielt lange keine verlässliche Auskunft über sein Schicksal. Der Film macht diese Form staatlicher Gewalt als Leerstelle sichtbar: Nicht nur die Tat selbst, sondern das bewusste Vorenthalten von Wahrheit prägt das Leben der Angehörigen.
Marcelo Rubens Paiva verarbeitete die Geschichte seiner Familie später in einem autobiografischen Buch. Salles und seine Drehbuchautoren Murilo Hauser und Heitor Lorega übersetzen diese Erinnerungsarbeit in eine filmische Form, die private Bilder, politische Geschichte und den Kampf gegen das Vergessen miteinander verbindet.
Quellen: Sony Pictures Classics, epd Film – Hintergrund
Zur Gestaltung
Salles inszeniert die Familie zunächst in warmen, bewegten Alltagsbildern: Strand, Musik, Freunde, Essen und Super-8-Aufnahmen. Der politische Terror bricht deshalb nicht in eine abstrakte historische Kulisse ein, sondern in eine Welt, die dem Publikum bereits vertraut geworden ist.
Auffällig ist die Zurückhaltung des Films. Weder Gewalt noch Trauer werden ausgestellt. Die Kamera bleibt nah bei Eunice und ihren Kindern. Dadurch verschiebt sich der Schwerpunkt von der Frage nach dem Verschwundenen auf die Frage, wie die Zurückbleibenden weiterleben – und wie Erinnerung selbst zu Widerstand werden kann.
Quellen: epd Film, Filmdienst
Pressestimmen
Anke Sterneborg betont die unaufgeregte, dokumentarisch zurückhaltende Erzählweise und sieht gerade in der Würde und Beharrlichkeit von Eunice Paiva die widerständige Kraft des Films.
Filmdienst hebt hervor, wie sorgfältig der Film zunächst das sommerliche Familienleben etabliert und dadurch den späteren Einbruch des staatlichen Terrors umso stärker erfahrbar macht.
Auszeichnungen
Quellen: Sony Pictures Classics, Biennale di Venezia
Filmografie
Quelle: Festival de Cannes
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