epd Film
Die Kritik würdigt das stille, vielschichtige Drama und die konsequente Konzentration auf eine junge Sportlerin, deren Schweigen immer stärker zum Zentrum des Films wird.
SAISON 2026/27
8.–13. Februar 2027
Mo–Fr 17:30 Uhr · Sa 15:00 Uhr · City-Kino Linz

Tennistalent Julie soll über ihren suspendierten Trainer aussagen. Doch sie schweigt – während Macht, Loyalität und Abhängigkeit immer deutlicher werden.
BELGIEN/SCHWEDEN 2024
BELGIEN/SCHWEDEN 2024; Originaltitel: Julie zwijgt; Regie: Leonardo Van Dijl; Drehbuch: Ruth Becquart, Leonardo Van Dijl; Kamera: Nicolas Karakatsanis; Schnitt: Bert Jacobs; Musik: Caroline Shaw; Darsteller: Tessa Van den Broeck, Ruth Becquart, Koen De Bouw, Claire Bodson, Laurent Caron; Länge: 100 Minuten; OmdUT (Niederländisch, Französisch)
Filmring-Text
Julies Sport ist Tennis, sie ist ein großes Nachwuchstalent des belgischen Verbandes. Als eine Teamkollegin Selbstmord begeht, wird der erfolgreiche Trainer Jeremy suspendiert und durch einen anderen ersetzt. Man wirft ihm ungewöhnliche und zweifelhafte Trainingsmethoden vor. Julies Welt ist plötzlich eine ganz andere, ihre aufstrebende Karriere gerät in Gefahr. Eine Untersuchung wird eingeleitet, alle Spielerinnen der Tennisschule sollen aussagen, um Licht in das Dunkel über die Methoden des Trainers zu bringen. Doch Julie beschließt zu schweigen, sie konzentriert sich voll und ganz auf ihr Training, denn sie hat ein großes Ziel: Sie will es in die „Junior Pro“ des belgischen Tennisverbandes schaffen.
Zum Film
Julie ist fünfzehn, hochbegabt im Tennis und daran gewöhnt, dass Training, Leistung und Disziplin ihren Alltag bestimmen. Als ihr Trainer Jérémy suspendiert und im Verein eine Untersuchung eingeleitet wird, sollen die jungen Spielerinnen erzählen, was sie wissen. Julie entscheidet sich zunächst dagegen.
Der Film macht aus diesem Schweigen weder ein Rätsel noch eine einfache Botschaft. Er bleibt bei Julie und beobachtet, wie Druck von außen, Loyalität, Angst, Ehrgeiz und das Bedürfnis nach Selbstbestimmung gleichzeitig wirken. Gerade weil der Film vieles nicht ausspricht, wird spürbar, wie schwer es für junge Menschen sein kann, in Machtverhältnissen die eigene Stimme zu finden.
Quellen: Filmladen Filmverleih, Semaine de la Critique
Regie
Leonardo Van Dijl wurde 1991 in Belgien geboren. Mit seinem Kurzfilm Stephanie über eine junge Turnerin war er 2020 bereits in Cannes vertreten und auf zahlreichen internationalen Festivals erfolgreich. Julie bleibt still ist sein erster Langfilm.
Schon in seinen früheren Arbeiten interessierte Van Dijl, was Leistungsdruck mit jungen Sportler*innen macht. Für sein Langfilmdebüt verschiebt er den Fokus bewusst vom äußeren Wettkampf auf Julies innere Situation. Statt dramatischer Enthüllungen setzt er auf Beobachtung, Distanz und die Frage, wie sich Schweigen filmisch hör- und sichtbar machen lässt.
Geboren
1991 in Belgien
Kurzfilm
Stephanie, 2020
Julie bleibt still
Langfilmdebüt
Quellen: Semaine de la Critique – Leonardo Van Dijl, Cineuropa – Interview
Bilder




Hintergrund
Julie bleibt still interessiert sich dafür, was passiert, wenn Erwachsene von Jugendlichen verlangen, Verantwortung für Situationen zu übernehmen, die eigentlich von Erwachsenen geschaffen wurden. Der Tennisverein bemüht sich zwar um Aufklärung, doch allein die Aufforderung zu sprechen kann für Julie erneut Druck bedeuten.
Die Tennisszenen wirken ungewöhnlich authentisch. Das liegt auch an Hauptdarstellerin Tessa Van den Broeck, die selbst aus dem Tennissport kommt. Training ist im Film nicht bloß Flucht: Van Dijl beschreibt es als einen Ort, an dem Julie Kontrolle, Rhythmus und einen Teil ihrer eigenen Identität zurückgewinnen kann.
Quellen: Cineuropa, Filmdienst
Leonardo Van Dijl über den Film
Van Dijl beschreibt den Film als Geschichte über Schweigen – ausdrücklich nicht nur über Geheimnisse. Schweigen könne Schutz, Überforderung, Widerstand oder Unfähigkeit zu sprechen bedeuten. Für ihn war entscheidend, Julies Tempo zu respektieren und sie nicht auch durch den Film dazu zu zwingen, schneller zu sprechen, als sie selbst bereit ist.
Auch die Gestaltung folgt diesem Gedanken: Kamera und Inszenierung halten oft etwas Abstand, während Ton, Schläge des Tennisballs und die Musik von Caroline Shaw das scheinbar Stille akustisch aufladen. Der Film soll nicht behaupten, dass Schweigen die Lösung sei, sondern zeigen, wie komplex der Weg zur eigenen Handlungsfähigkeit sein kann.
Quellen: Semaine de la Critique – Interview, Cineuropa – Interview
Pressestimmen
Die Kritik würdigt das stille, vielschichtige Drama und die konsequente Konzentration auf eine junge Sportlerin, deren Schweigen immer stärker zum Zentrum des Films wird.
Filmdienst hebt hervor, wie die Kamera Julie inmitten ihres Umfelds isoliert und über kleinste Gesten und Blicke sichtbar macht, dass hinter ihrer äußerlichen Kontrolle ein innerer Konflikt arbeitet.
Die Cannes-Kritikerwoche betont besonders die respektvolle Distanz des Films: Er folgt Julie, ohne ihr Schweigen zu vereinnahmen oder sie zur Erklärung zu zwingen.
Auszeichnungen
Quellen: Semaine de la Critique – Preisträger*innen, Cineuropa
Filmografie
Quelle: Semaine de la Critique
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